Pinkelparty im Triathlon

Anno 2014.
Ich habe mich seit geraumer Zeit einer neuen Sportart verschrieben und dem lokalen Verein angeschlossen. Diese Saison starte ich als Rookie in der hessischen Triathlonliga für Tri-Force Fulda. Es ist mein erster offizieller Wettkampf, Austragungsort Darmstadt. Gleichzeitig erfolgt für jeden Starter eine Deutsche Meisterschaften-Wertung in der Sprintdistanz.

Aufgeregt und ohne große Ansprüche auf nennenswerte Platzierungen stehe ich bei hochsommerlichen Temperaturen am Start. Die Hitze ist ja generell nicht so mein Lieblingswetter für sportliche Leistung. Fest entschlossen mein Bestes zu geben, stehe ich am Steg und warte auf den Startschuss. Mit Kopfsprung geht es zielstrebig in das angenehme Nass. Im Mob werden 750 Meter im Wasser zurückgelegt, 25 Kilometer auf dem Rennrad gestrampelt und zu guter Letzt 5 Kilometer in den Laufschuhen verbracht. 

Triathlon, eine eigene Welt!
Im Wettkampfmodus gebe ich mich stabil und lasse äußerlich keine Schwäche anmerken. Niemand wird sehen dass mich die Strecke eine gewisse Anstrengung kosten wird. Bei toller Stimmung und durch viele Zuschauer werde ich förmlich ins Ziel getragen. Grinsend erreiche ich irgendwann im Mittelfeld das Finish.

Im Ziel werde ich von einer Frau in gelber Weste in Empfang genommen. Sie stellt sich vor und macht mich darauf aufmerksam dass sie ab sofort nicht mehr von meiner Seite weichen wird. Sie ist von der Nationalen Antidopingagentur und bittet mich gemeinsam mit ihr meinen Startpass und Ausweis zu holen. Leicht irritiert folge ich den Anweisungen, mit Verrücktheiten kann ich umgehen. Wir holen also meine Ausweisdokumente und gehen anschließend in das Wettkampfbüro. 


Hier stehen bereits mehrere Athleten in der Toilettenschlange, welche ebenso stichprobenartig im Ziel rausgefischt wurden. 

Ich fülle mit der Frau das Protokoll aus und beantworte Fragen zur Thematik.

Anschließend werde ich über das weitere Vorgehen aufgeklärt und bekomme kostenlos Getränke angeboten, um die geforderte Aufgabe zu erledigen. Meine eigene feierliche Pinkelparty!

Ziel sei nun 60 Milliliter für die A-Probe und 30 Millilter für die B-Probe in vorgesehenes Behältnis, unter steter Beobachtung, abzugeben. Mir leuchtet ein, dass unter diesen Umständen die einzig richtige Wettkampfernährung nur der Spargel mit seinen schwefelähnlichen Auswirkungen sein kann. 
Ich muss zugestehen dass der Wettkampf selbst eine leichtere Angelegenheit war. Wie soll man denn bitteschön nach einer Hitzeschlacht und verbrauchtem Wasserhaushalt eine solche Leistung erbringen?
Zwei Stunden, vier alkoholfreie Weizen und drei Colas später habe ich es dann endlich geschafft und darf meiner Wege gehen. Ich suche die Vereinskameraden und lasse das Duschen aufgrund eilender Aufbruchsstimmung ausfallen. Wir machen uns auf den Heimweg. Kurze Zeit später, auf der Autobahn, drückt die Blase ins Unermessliche. Es bleibt nichts anderes übrig als verbotenerweise am Seitenstreifen anzuhalten und die Pinkelparty auf diese Weise ausklingen zu lassen. Eine sportliche Angelegenheit; auch für meine Blase! 

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