Es war Dein 73. Geburtstag, an welchem es mir ganz besonders wichtig war, rechtzeitig von der Mutter-Kind-Kur zurück zu sein. Ich lehnte die angebotene Verlängerung ab, weil es mittlerweile absolut klar war, dass Deine Zeit immer begrenzter wurde. Viel lieber sehnte ich Dir eine Verlängerung herbei.
Bereits bei unserer letzten gemeinsamen Sippenfahrt im April 2024 hatte ich so ein ungutes Gefühl. Du hattest noch keine offizielle Diagnose und ich spürte, dass es auf ein gesundheitliches Ende zuging. Die Lebensgeister verließen Dich in kleinen, aber deutlich spürbaren Schritten.
Du feiertest gerne Deine Geburtstage und ich weiß, Du hättest gerne noch viele Lebensjahre voll gemacht. Mit einem Grinsen im Gesicht denke ich daran, wie Du früher großzügig eingeladen hast und Mama nicht besonders gut darauf zu sprechen war. Wie ihr Euch stets zusammengerauft habt, auch wenn das Zusammenleben so manche Herausforderungen stellt. Man muss mit Frustrationen und Verletzungen umgehen und vor allem auf die unausgesprochenen Dinge zwischen den Zeilen hören können. Nicht jeder kann seine Liebesbekundung in Worte fassen, aber wenn man genau hinsieht, sind es oftmals einfache alltägliche Gesten, mit denen alles gesagt ist. Was Du uns alles in all den Jahren repariert hast, ist nicht aufzuzählen.
Es war Dein 73. Geburtstag, an dem ich mich abends mit den Worten „Pass auf Dich auf“ von Dir verabschiedete. Du verstandest ohne zu zögern, was diese vier Worte beinhalteten. Manchmal braucht es einfach nicht mehr Worte. Wir nahmen uns in den Arm und Du antwortest: „Und ihr könnt ja jetzt mittlerweile auf Euch selbst gut aufpassen.“
Und so sitze ich hier, an Deinem 74. Geburtstag und schreibe Dir diese Zeilen. Weil es ausgesprochen werden will. Weil ich Dir sagen möchte, dass wir auch Deinen 74. Geburtstag für Dich feiern werden.
Ich schaue mir Dein Bild an und betrachte die daneben stehenden Eulen, welche Du den Jungs geschenkt hast. Mit Hightech-3D-Drucker hergestellt. Eine in Schwarz und eine in Weiß. So stehen sie da als passen Sie für Dich auf uns auf. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge stelle ich fest; so gehört alles zusammen und hat seine Berechtigung, es ist okay.
Ich möchte Dir gerne noch einmal sagen:
„Pass auf Dich auf Papa und wir passen auf uns auf!“

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